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Mittwoch
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Transalp – Viva Montagna

Von der Silvretta zum Berninapass

Reisebericht von Barbara

Nach zwei erfolgreich abgeschlossenen Alpenüberquerungen, die schon länger zurückliegen, lockt es mich heuer wieder mit dem Bike ins Hochgebirge. Denn so eine Alpentour ist ein ganz spezielles Abenteuer und es bedarf auch einer guten Vorbereitung. Immerhin werden wir uns auf weiten Strecken über 2000 m Höhe, abseits von jeglichen Asphaltstraßen bewegen. Je näher es zur Abfahrt geht, frage ich mich: habe ich genug trainiert? Wird das Wetter passen?

 

Am Sonntag in der Früh ist es endlich so weit. Gemeinsam mit 15 anderen Mountainbikern und einer „Inntal-Radgruppe“  steige ich voll Erwartung in den ELITE-Radbus.  Fast alle Teilnehmer kenne ich  von früheren Touren. Mit Plauderei über die bisherige Radsaison, Rückblicke auf frühere Touren und Diskussionen über Strom- oder Muscle-Bike vergeht die Fahrt recht kurzweilig.

Ein Tiroler Busunternehmen bringt uns dann von Landeck weiterdurch den Arlberg nach Dalaas. Der ELITE-Bus fährt mit der anderen Gruppe nach St. Moritz.

Noch am Abend gibt uns Josef, unser Guide, im sehr gemütlichen Hotel Informationen zum Programm des nächsten Tages. Er ist die Strecke schon einige Male gefahren und kennt alle Schmankerl und Hürden sehr genau.

Um 09:00 am nächsten Tag, eigentlich zu einer sehr christlichen Zeit, starten wir unsere erste Etappe. Und es geht gleich zur Sache. Über eine Serpentinenstraße mit beachtlicher Steigung, zuerst Asphalt, später Schotter, schrauben wir uns bei eher bedecktem Himmel hinauf auf den Kristberg. Schnell kristallisieren sich die starken Fahrer heraus und auch die E-Biker sind für mich bald nicht mehr zu sehen. Mit meinem Wohlfühltempo bin ich zum Glück nicht alleine und am Kristbergsattel wird auch schon zusammengewartet. Den weiteren Weg Richtung Wasserstubenalpe teilen wir uns, vorallem  nahe einer Liftstation, mit vielen Wanderern, aber es ist Platz für alle da. Zur oberen Wasserstubenalpe müssen dann alle Kräfte nochmals mobilisiert werden. Auf eher tiefem  Boden mit losem Schotter wird der Weg immer steiler. Diesmal sind die Kühe unsere Begleiter, an denen wir mit viel Respekt vorbeifahren. In der Ferne sieht man schon die Almhütte. Immer wieder hoffe ich, doch noch einen Gang zurückschalten zu können. Doch es geht nichts mehr. Nun verlassen mich doch die Kräfte. Mit Schieben geht es nun fast schneller weiter. Aber der Stolz bringt mich bald wieder auf den Sattel zurück.  Auf 1736 m ist der höchste Punkt des Tages erreicht. Schnell erhole ich mich mit einem Müsliriegel wieder - ab nun geht es nur noch bergab. Durch das wunderschöne Silbertal geht es im Sinkflug fast zu schnell, ein kurzer Stopp für ein Foto mit dem rauschenden Bach muss dann doch sein! Im Ort Silbertal gibt es eine wohlverdiente Kaffeejause. Es ist eine ideale Tour zum Eingewöhnen und Akklimatisieren. Gemütlich radeln wir nach Vandans aus – das Wetter wird immer sonniger und die Prognose verspricht für die nächsten Tage stabiles Wetter.

Es ist ja doch ein Urlaub! Wieder starten wir erst um 09:00. Heute geht es Richtung Silvretta. Die ersten 25 Kilometer auf Radwegen, mit leichter Steigung sind nicht so spannend. Im Schatten ist es auch noch recht kühl. Ab Paternen wird es dann wieder interessanter. Hier beginnt die Silvretta-Hochalpenstraße. Ups, so viel Verkehr? Nein! Gleich bei der ersten Kehre nach der Mautstation zweigen wir in eine alte Werkstraße ab. Zuerst noch durch den Wald, doch dann zwischen wunderschönen, blühenden Almwiesen geht es nun steil bergauf. Der Vorteil: wir gewinnen schnell an Höhe! Es gilt aber, rechts zu fahren, denn wir befinden uns auf einem beliebten Alpenübergang. Von oben und von unten zischen vorallem E-Biker vorbei. Ich lasse mich aber nicht beirren. Weit oben kann ich die Staumauer des Kopp-Stausees erkennen – das Ziel ist also schon vor Augen. Die Straße wird nun noch steiler, bis zu 19 % werden angezeigt. Noch schnell einen Energieriegel eingeworfen und schon sind auch die letzten 100 Höhenmeter geschafft. Das Panorama der Verwallgruppe und der Blick zum türkisgrünen Stausee sind überwältigend und lassen schnell alle Mühen vergessen. Ein richtig guter Kaiserschmarrn sorgt zusätzlich für neue Energie. Doch das meiste ist ja schon geschafft! Jetzt heißt es nur noch genießen! Zuerst geht es fast eben zwischen grünen Almwiesen zum Zeinisjoch (1842 m). Es ist die Grenze zwischen Vorarlberg und Tirol und die Rhein-Donau-Wasserscheide. Von der herrlichen Bergwelt kann ich mich kaum sattsehen. Aber der Blick ist wieder nach vorne gerichtet. Denn im Sinkflug brausen wir ins Paznauntal hinunter. Ab Galtür begleitet uns bis Ischgl zwischen Bach und Felsen einer der schönsten Radwege ever. Ja, auch ich als Liebhaberin von Mountainbike-Strecken bemerke dies! Eingebettet im engen Tal, kommt mir Ischgl recht düster vor. Die Sonne verschwindet rasch hinter dem Berg, auf den Straßen sind kaum Leute zu sehen.

Hinauf mit der Gondel! Wo gibt’s denn so etwas? Am 3. Tag soll das Vergnügen im Vordergrund stehen. Deshalb lassen wir uns mit der Gondel und mit dem Sessellift auf das Viderhoch (2757 m) bringen. Oben braust ein kalter Wind, das Schigebiet sieht im Sommer wirklich nicht einladend aus. Unsere Trail-Freaks die ihre Herausforderung suchen, kommen aber bei der folgenden Abfahrt nach Samnaun voll auf Ihre Rechnung. Ich wähle lieber die ruhigere aber doch auch recht steile Schotterstraße und beobachte wie sich die Gruppe mutig ins Tal wirft. Noch voll von Adrenalin brausen wir dann gemeinsam auf Asphaltstraße, durch Tunnel und Galerien hinunter nach Martina im Inntal. Plötzlich ein technischer Defekt. Die Schaltung von Karl ist defekt. An ein Weiterfahren ist nicht zu denken. Die Idee, den Unglücksraben abzuschleppen, wird rasch fallen gelassen, da der folgende Abschnitt des Innradweges bis Scuol sehr hügelig wird. Doch Glück im Unglück! In 30 Minuten kommt ein öffentlicher Autobus, der Karl mit dem Fahrrad nach Scuol bringt, wo das Fahrrad rasch repariert werden kann. Der Radweg nach Scuol ist zwar landschaftlich wunderschön, doch die Abfahrt hat doch mehr Energie gekostet als erwartet, außerdem ist es ziemlich heiß. Ich bin froh über eine Pause und eine Stärkung.  Beim berühmten Brunnen mit dem mineralhältigen Wasser füllen wir noch unsere Wasserflaschen auf, denn jetzt folgt der Anstieg hinauf ins nette Bergdorf S-Charl. Erst um 15:30 mit einem Anstieg von 800 Höhenmetern zu starten erfordert schon sehr viel Motivation und Ausdauer, auch wenn die Strecke entlang eines Baches sehr abwechslungsreich und die Steigung moderat ist. Nach 2 Stunden habe auch ich es geschafft! Ich freue mich auf ein erfrischendes Getränk auf der sonnigen Terrasse des einfachen, aber sehr gepflegten Gasthofs.

Die Nacht auf 1800 Meter Höhe ist sehr erholsam. Mit frischen Kräften freue ich mich auf die heutige Etappe!

Bei herrlichem Sonnenschein starten wir bei noch kühlen Temperaturen gemütlich bergauf zur Alpe Astras und weiter auf einem Wanderweg zum Passo di Costainas (2251 m), einem der wenigen durchgängigen fahrbaren Pässe des Alpenhauptkammes. Naja, die vielen schmalen Kuhübergänge zwingen mich doch immer wieder aus dem Sattel, doch sonst ist der Weg eine sehr interessante Herausforderung. Bei der langen, teils recht steilen Abfahrt werden unsere Bremsen auf eine harte Probe gestellt. In Lü empfiehlt uns Josef eine Kaffeepause,  denn es steht aus dem Val Müstair auf 1500 m ein langer Anstieg bevor. Wieder auf Schotterpiste, die ihre steilen Rampen aufweist, trete ich gleichmäßig hinauf zum Pass Döss Radond (2243 m). Nur nicht stehen bleiben! Ein kurzer Fotostopp ist dann aber doch eine willkommene Erholung. Ich mobilisiere meine letzten Kräfte und überhole kurz vor dem Ziel deutsche Kollegen, die lange Zeit in meinem Tempo fahren. Das Bergpanorama hier oben ist unbeschreiblich! In der warmen Sonne legen wir eine längere Pause ein und genießen den Augenblick, nicht wissend, dass uns noch das Sahnehäubchen dieses Tages erwartet. Am Beginn der Abfahrt muss noch der eine oder andere absteigen, aber danach folgt ein ca. 10 km langer Trail zwischen Latschen und Felsen, der in seiner Herausforderung für den richtigen Kick sorgt. Am Grenzstein zu Italien warten wir alle zusammen, noch immer vollgepumpt mit Adrenalin. Erst am weiteren Weg merke ich, wie die Kräfte langsam nachlassen. Die nächsten Kilometer bis zum Stausee fühlen sich mit Gegenwind endlos an. Aber Italienische Pasta und der einmalige Blick zum Ortler geben mir wieder Energie und so werden auch die letzten 20 Kilometer bis zu unserem Ziel Valdidentro zum Genuss.

Für den letzten Tag unserer Tour ist ein markanter Wetterumschwung angesagt. Hoffnungsvoll starten wir bei blauem Himmel schon um 08:00, damit wir noch vor dem Regen die Tour beenden können. Gleich zu Beginn sind mehr als 800 Höhenmeter am Stück zu bewältigen. Doch bald hüllen sich die umliegenden Berge in Wolken. Die Schotterpiste hinauf zum Passo Viola wird gegen Ende immer steiler, in weiter Ferne sehe ich das Ziel. Langsam wird es ungemütlich, Wind kommt auf und die ersten Tropfen fallen vom Himmel. Auf 2450 Meter angekommen haben wir es eilig, in warme Kleidung und Regenschutz zu schlüpfen. Nebel zieht auf, so können wir kaum die schwierige Abfahrt ins Tal erkennen.  So viel Schieben musste ich die ganze Tour noch nicht. Aber was soll‘s, bei so viel Konzentration spüre ich den Regen kaum. Endlich wird es auch für mich wieder fahrbar, die Steine sind zum Glück sehr griffig und ich finde Gefallen an der Herausforderung. Nach den letzten 300 Höhenmetern auf Schotterstraßen klebt der feine Sand schon in jeder Ritze. Eine kurze Frage von Josef, ob noch jemand hinauf auf den Berninapass radeln möchte, wird schnell einstimmig verneint. Der Entschluss, auf der Straße hinunter nach Poschiavo zu radeln und von dort mit der Rhätischen Bahn über den Berninapass nach Pontresina zu fahren, ist goldrichtig. Am Bahnhof wird das Wasser aus den Schuhen geleert, das nasse Regengewand notdürftig verstaut. Wir genießen die trockene Bahnfahrt, die,  auch wenn die umliegende Gletscherwelt nicht zu sehen ist, ein würdiger Abschluss unserer Tour ist.

 

Irgendwie kommt das Ende der Tour dann doch sehr plötzlich! Es dauert einige Zeit bis ich realisiert habe, dass wir uns am nächsten Tag nicht mehr für eine weitere Etappe adjustieren müssen. Doch eines weiß ich sehr schnell! So eine Alpentour macht süchtig! Dazu gehört aber auch ein super Team, und das waren wir in einer sehr harmonischen und rücksichtsvollen Gruppe von 17 Bikern mit unterschiedlichen Stärken und Bikes. (5 Damen und 12 Herren, davon 5 mit E-Bike)

Facts: 5 Tage/ 251 km / 5931 hm

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