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After Work Unit

Von 18.4. - 28.9.2017:
2 x wöchentlich
Dienstag & Donnerstag
Treffpunkt: 18:00 Uhr
Sports Direct
1210 Wien,  Seyringerstr. 15
Dauer: 2 - 3 Stunden

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Basilikata
Lukanien - die Entdeckung der Einsamkeit

Immer wieder fragen wir uns, wo genau die wahren Kraftquellen liegen, die einen Urlaub, trotz körperlicher Anstrengung, zur Erholung werden lassen. Wir haben uns auf die Suche gemacht und weit weg von endlosen Autoschlangen, quirligen Strandpromenaden und übervollen Touristen-Trattorias in denen der Urlauber, wenn nicht abgezockt, doch wenigstens abgefüttert wird, einen Flecken Italien gefunden, wo das einfache Leben noch real ist. 

Die Basilikata liegt ganz im Süden des italienischen Stiefels. Eingeklemmt zwischen Kalabrien und Apulien hat es nur minimalen Meerzugang. An der Westküste sind das nur ca. 20 km, im Südosten am Ionischen Meer ca. 37 km. Dennoch kann man hier, nur 200 km südöstlich der pulsierenden Metropole Neapel, einen der schönsten Küstenabschnitte am Tyrrhenischen Meer in seiner ursprünglichen Form genießen. Eine Küstenstraße mit prachtvollen Ausblicken garantiert Augenschmaus und volle Fotoalben. Im Gegensatz zur weltberühmten Amalfiküste gibt es hier aber sehr wenig Verkehr und Touristen. Vor allem durch die engen Gassen, den schmalen Straßen und der fehlenden Großhotel-Infrastruktur blieb die Region bislang vor Massen-Tourismus verschont. Dadurch und aus dem Umstand, dass es so gut wie keine Industrie gibt, zählt die Basilikata jedoch zu den ärmsten Regionen Italiens. Die Abwanderung der Lucaner in die größeren Städte im Norden Italiens und die Auswanderung nach Amerika, Deutschland oder Australien ist nach wie vor groß.

Als Tourist wohnt man in den ländlichen Gebieten der Basilikata bevorzugt in Bed & Breakfasts oder in einfachen Albergos bzw. Locandas. In Aliano waren wir in einem Privathaus und somit mitten im italienischen Alltag einquartiert. Man hatte das Gefühl jeden Augenblick muss Marcello Mastroianni mit Sophia Loren am Arm um die Ecke kommen. Irgendwie fühlte sich das wie ein Zeitprung an.

Ein Reservieren von Quartieren ist nur in der Hochsaison nötig. Essen geht man in die Trattoria oder ein einfaches Ristorante. Meist kocht die Mama und die gesamte Familie ist in irgend einer Form in den Betrieb involviert. Serviert wird was Garten und Wald bieten und was dem Chef selber schmeckt. Dazu gereicht wird Brot aus dem Holzofen und heimischer Wein. Obwohl wir einige Male recht guten Weißwein getrunken haben, wird doch hauptsächlich der typische dunkelrote Aglianico aus dem Vulturegebiet serviert. Wir haben immer nach dem Tipp des Capos oder der Mama gefragt und bekamen immer köstliche und sehr typische Gerichte des jeweiligen Dorfes und Städtchens auf den Tisch. Man kann sagen, es war eine Schlemmerreise durch die Basilikata. Nicht mit 7 Gängen kleiner Tütüs auf riesigen Tellern, sondern ehrliche italienische Hausmannskost vom Feinsten. (Da fällt mir gleich das fantastische Sugo von Mama Isabella in Accettura ein. Schmatz!!!) Das Strahlen in den Augen der Köche und die Freude darüber wenn es uns geschmeckt hat, war ohnegleichen.

Wo wir schon bei der Freundlichkeit wären. Obwohl immer wieder betont wurde, dass die Lukaner (Eigenbezeichnung der Basilikater) zwar freundlich, doch im ersten Schritt etwas zurückhaltend wären, haben wir das Gegenteil erlebt. Wir hatten das Gefühl uns fliegen die Herzen der Menschen zu. Sobald man Kontakt aufnahm, wurde gefragt, geplaudert, gelacht, gestaunt und diskutiert! Endlich war mal was los um das einfache tägliche Einerlei zu unterbrechen. Wir fühlten uns willkommen und gut aufgehoben. Unsere Bikes abzusperren sparten wir uns ab dem zweiten Tag. Ständig wurde uns versichert dass hier nichts gestohlen werde, es seien ja schließlich alles Freunde und Bekannte. Und genau so war es auch.
 

Von Maratea nach Matera war eine sehr eindrucksvolle Reise mit den Mountainbikes auf kleinen, nahezu verkehrsfreien Nebenstraßen und Wegen, die durch sehr unterschiedliche Landschaftsformen führte. Dunkle Wälder mit frei lebenden Schweinen, Hirschen, Stachelschweinen, Hasen und Co. Durch das Gebirge in den Dolomiti Lucane, Karstlandschaft in den Calanchi um Aliano und dazwischen toskanisch anmutende Kulturlandschaften mit abgeernteten Feldern, Olivenhainen, Feigenbäumen, Granatäpfeln und Weintrauben.
 

Zum Schluss unserer Tour machten wir noch eine Pilgerfahrt auf den Hausberg Marateas, den 600 m hohen Monte San Biagio, zu der 22 m hohen Christus-Statue "Il Redentore" um uns für die wirklich gelungene Reise zu bedanken. 1965 zur Belebung der Region vom italienischen Bildhauer Bruno Innocenti aus weißem Carrara-Marmor geschaffen, tront die riesige Statue eindrucksvoll und allgegenwärtig über Maratea. Fast ebenso beeindruckend ist die Panoramastraße, die in zahlreichen Serpentinen und schwindelerregenden Betonstelzen zum Christo hinaufführt. So intensiv und hautnah kann man ein Land nur zu Fuss oder vom Fahrrad aus erleben.


Die Highlights der Reise: Beeindruckende Ausblicke, fast ausschließlich verkehrsfreie Straßen, urigste Übernachtungen, beeindruckende wüstenähnliche Märchenlandschaft aus Tuffstein und Lehm

Fazit: Eine auf Grund der Topographie anspruchsvolle Bikereise für Mountainbiker und starke Tourenfahrer, die nicht vor längeren Steigungen und steilen Anstiegen zurückschreicken. Beste Reisezeit aufgrund der Temperaturen sind Frühling (Mai - Juni) und Herbst (September - Oktober).
 
Mela & Josef