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After Work Unit

Von 18.4. - 28.9.2017:
2 x wöchentlich
Dienstag & Donnerstag
Treffpunkt: 18:00 Uhr
Sports Direct
1210 Wien,  Seyringerstr. 15
Dauer: 2 - 3 Stunden

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Abruzzencross, “ein Alpencross auf Italienisch”

Durch die wilden Berge des Apennin

Von Teramo über den Apennin zum Lago Fiastra


Diese Mountainbike-Tour für Abenteurer, führte uns durch die wilde und einsame Bergwelt der Abruzzen, Latium, Umbriens und der südlichen Marken. Auf dieser schweren, aber landschaftlich wunderschönen Tour, reihten sich die Highlights wie die Perlen einer Kette aneinander. Der Aufstieg durch das Val Maone zum Portellapass, der “Campo Imperatore” mit dem dominierenden „Gran Sasso“,  die mittelalterlichen Burgdörfer „Castel del Monte“ und „Santo Stefano di Sessanio“, die einsame Landschaft um den Lago di Campotosto, das malerische Castelluccio mit dem beeindruckenden Piano Grande und schließlich die mystischen „Monti Sibillini“ mit der “Gola dell´ Infernacco” der Schlucht des Fiume Tenno, der lange Ritt vom Passo Cattivo hinunter ins Valle Ussita und die Überquerung des Mt. Bove mit den unvergesslichen Postkartenpanoramen zum türkisblauen Lago di Fiastra. Bei dieser herausfordernden und landschaftlich überaus eindrucksvollen Tour mussten wir immer wieder alles geben, unsere eigenen Grenzen mehrfach nach oben verschieben und gemeinsam über uns hinauswachsen.


Anreise nach Teramo:

1. Etappe: Teramo – Prati di Tivo       55 km, 1942 hm

Nach typisch italienischem Frühstück geht es um 8:30 Uhr mit einer kleinen Runde durch Teramo los. Über den Corso San Giorgio gelangen wir ins Zentrum mit der Kathedrale Santa Maria Assunta. Danach starten wir zur ersten Etappe unserer Tour. Trotz der frühen Stunde hat es bereits 26 Grad als wir Teramo in Richtung Süden verlassen. Auf verkehrsarmen Straßen führt unser Weg ins Tal des Fiume Vomano, das wir bei “Montorio al Vomano” erreichen.

Über eine steile Treppengasse gelangen wir hinunter ins Zentrum des Ortes. Der folgende 9 km lange Anstieg entlang sattgrüner, mit quietschgelb blühenden Ginsterbüschen bewachsenen Wiesen, ist ein erster Vorgeschmack auf das kommende Abenteuer. Immer wieder zeigt sich der alles überragende “Corno Grande”, der höchste Gipfel im Gran Sasso, in prächtigen Panoramen, wärend wir ihm langsam näher kommen.

In Altavilla lernen wir erstmals die großartige Gastfreundschaft der Italiener kennen, als wir nach einer Bar fragen und Alex, die unter der Hitze besonders leidet, von der Hausfrau spontan auf einen Kaffee eingeladen wird. Sofort kommen auch die anderen Familienmitglieder (Tochter, Oma Uroma) auf die Straße um etwas über unsere Bikereise zu erfahren. Ein Erinnerungsfoto dieser freundschaftlichen Situation wird noch gemacht, bevor es weiter hinunter ins Tal des Fiume Vomano geht.

Auf der anderen Talseite beginnt der lange Anstieg hinauf nach Prati di Tivo. Auf einer Länge von ca. 15 km, sind 1000 hm zu überwinden. Im hübschen Dörfchen Pietracamela machen wir eine ausgiebige Pause, bevor wir die letzten 400 hm bis Prati di Tivo in Angriff nehmen.

Beim Hotel angelangt, gönnen wir uns eine ordentliche Erfrischung, bevor wir unsere gemütlichen Zimmer beziehen.

Zum Abendessen bekommen wir erstmals die schmackhafte abruzzesische Küche serviert.

 

2. Etappe: Von Prati di Tivo nach Castel del Monte

45 km, 1.328 hm

Von Prati di Tivo führt unsere Route zunächst auf einem schmalen Schottersträßchen durch duftende Blumenwiesen mit mäßiger Steigung bergan. Vor uns leuchten der Pizzo Cefalone und der Pizzo d’ Intermesoli, die mächtigen Nachbarn des Corno Grande im hellen Sonnenschein. Die Kulisse wird von wilden Pfingstrosen zu einem Postkartenbild ergänzt. Dann führt der Pfad deutlich steiler durch einen alten Buchenwald, der später in  offene Almwiesen mit prächtiger Aussicht auf die imposante Bergwelt um uns herum übergeht. Wie im Traum bewegen wir uns durch dieses atemberaubende Panorama aufwärts durch das Val Maone.

Aus dem grünen, saftigen Tal ragen die Felswände zu beiden Seiten über 1000 m zu den Hörnern des Gran Sasso und zum Gipfel des Pizzo Intermesoli hinauf. Wir befinden uns in einer schroffen Märchenlandschaft, wie sie in den Alpen nicht schöner sein könnte.

Auf unserem Weg sind auch einige Bergsteiger unterwegs. Bei der Cascata del Rio Arno endet das Sträßchen. Dann wird es etwas schwieriger. Der folgende Wanderweg hält immer wieder steile und verblockte Abschnitte auf denen wir schieben müssen, aber auch einige Trailpassagen auf denen wir gut vorankommen bereit. Dann wird das Tal weiter und zeigt sich umrahmt von bizarren Felswänden in almartiger Schönheit.

Immer wieder zwingt uns der steile und teilweise verblockte Wanderweg zum schieben, aber wir geben nicht klein bei und schwingen uns so oft als möglich auf die Bikes.

In schattigen Mulden treffen wir auf erste Schneefelder. Wir haben bereits gut Höhe gemacht als wir uns endlich eine Pause gönnen. Das Panorama hier oben, auf fast 1900 m ist grandios und wir können bereits gut den Sattel “la Portella”, über den wir auf die andere Bergseite gelangen wollen, erkennen.

Frisch gestärkt geht es weiter, aber auf der folgenden Strecke sind nur mehr wenige fahrbare Passagen drin. Beim Aufstieg zum Portellapass müssen die Bikes auf einem knappen Kilometer über 150 hm fast durchgehend getragen werden. Eine steile Schneerinne und ein ca. 300 m langes Schneefeld sind noch zu überwinden und fordert unsere ganze Aufmerksamkeit. Jetzt nur keinen Fehltritt! Wir helfen zusammen und bald sind alle mit ihren Bikes auf der 2.240 m hoch gelegenen Portella und die Freude ist dementsprechend groß. Angesichts des atemberaubenden Panoramas ist die Mühsal rasch vergessen. Auf der anderen Bergseite liegt eine Traumlandschaft vor uns durch die sich ein schmaler Pfad entlang der Bergflanke schlängelt. Tief unter uns liegt L´Aquilla. Der geniale, mit einigen Tücken bestückte Singeltrail führt ca. 2,5 km, mit mäßigem Gefälle, entlang der steilen Bergflanke hinunter in Richtung Campo Imperatore. An seiner höchsten Stelle, auf 2100 m befindet sich die Bergstation der Seilbahn die von Assergi heraufführt, eine Sternwarte sowie das Hotel Campo Imperatore. Bei einer Imbissbude neben dem Hotel machen wir Pause und kosten die abruzzesische Spezialität “Arrosticini” - Lammfleischspießchen die am Holzkohlengrill gegrillt werden. Köstlich!!!

32 km über den Campo Imperatore liegen noch vor uns, also schnappen wir unsere Räder und fliegen auf schmaler Teerstraße, anfangs noch entlang meterhoher Schneewände, in weiten Bögen im Sinkflug über den Campo hinunter. Das weite Hochtal wird durchwegs von über 2000 m hohen Bergen begrenzt. Den Vorsitz in dieser Gipfelparade hat allerdings eindeutig der beinahe 3000 m hohe Corno Grande, über den sich in diesem Moment eine mächtige Nebelwand schiebt. In einem weiten Bogen umfahren wir den Mt. Cinderella um bei der Sella del Mt. Cristo auf die Prati del Bove abzutauchen. Ein toller Wiesentrail führt sanft abwärts. Durch eine schmale, von felsigen Hängen gerahmte Durchfahrt, die wie ein Steingarten üppig von Blumen und Kräutern bewachsen ist, gelangen wir auf den weiten und flachen Almboden. Beim “Lago die Barisciano” blockiert eine große Rinderherde den Weg und wir umfahren den kleinen See deshalb auf seiner südlichen Seite. Inzwischen sind dunkle Wolken aufgezogen und es beginnt zu tröpfeln. Der Regen wird immer stärker, aber wir haben Glück und können in einen verlassenen Stall flüchten, um den Regen abzuwarten. Bald schon lichten sich die Wolken und wir fahren weiter. Auf einem Hirtenweg gelangen wir wieder auf die „Strada del Parco“ von der wir bei der Fonte di Assergi links auf eine Piste einbiegen. Auf tiefem und grobem Schotter müssen 100 hm auf 1 km überwunden werden, wobei die Steigung immer mehr zunimmt und zuletzt beinahe 20 % beträgt. Oben am Sattel öffnet sich der Blick in ein märchenhaftes Hochtal am südlichen Ende des Campo Imperatore. Weiden- und Trockengrasflächen die gegen Süden mit karstigen Hügeln verschmelzen. In sanftem Sinkflug können wir jetzt im Licht der Nachmittagssonne mächtig Strecke machen.

Noch ein kurzer knackiger Anstieg und wir erkennen unser Etappenziel Castel del Monte in der Ferne. Das mittelalterliche Dorf klebt wie ein Adlerhorst an den südlichen Abhängen des Campo unter uns.  Auf  einer üblen, einem Bachbett ähnlichen Piste, bremsen wir vorsichtig hinunter in das verschlafene Bergdorf, wo wir am Ortsrand unser Hotel beziehen. Abends essen wir - iatlienischer geht es fast gar nicht – in der Osteria del Lupo, einem kleinen Lokal im Ort, das an diesem Tag extra für uns geöffnet hat.

 

3. Etappe: Von Castel del Monte über Santo Stefano di Sessanio nach L’Aquila  

68 km, 1.189 hm

Ein herrlicher Tag wartet auf uns als wir am nächsten Morgen um 7.00 Uhr zum Frühstück kommen. Um 8:00 Uhr springen wir auf unsere Räder und fahren erst mal eine Runde durch das morgendlich stillen Gassen, bevor wir uns auf unsere heutige Etappe machen.

Auf einem kleinen Asphaltsträßchen verlassen wir den Ort in Richtung Calascio/L’Aquila. Vier Kehren weiter unten biegen wir rechts in eine von Büschen, bunten Blumen und Brombeerhecken gesäumte Schotterstraße ein.

Beim Valle di Pozzo beginnt die Offroadpiste, die uns durch einsames Hirtenland hinauf zur Fonte del Cane führt. Die Wiesen auf den Hängen zu beiden Seiten unseres Weges stehen in voller Blüte. Bei der Fonte del Cane gönnen wir uns eine kleine Pause und erfrischen uns an dem kühlen Nass. Wir fahren auf einem Höhenweg, von dem wir einen herrlichen Blick auf den unter uns liegenden blühenden Campo haben.

Beim Colle Doniche  gelangen wir wieder auf die „Strada del Parco“ und sausen talwärts. Eine Kehre weiter greifen die Hände unwillkürlich an die Bremshebel: Fotostopp!!!  Das mittelalterliche Santo Stefano liegt wie ein Burgdorf aus einem Märchenbuch im hellen Sonnenlicht unter uns. Einige Kehren später gehts wieder ins Gelände. Auf einer guten Schotterpiste rollen wir durchwegs leicht abwärts flott dahin. Jetzt noch gut 100 hm auf schmaler Asphaltstraße hinauf in das Burgdorf unterhalb der Festung Rocca Calascio. Wir lassen unsere Räder stehen, und gehen das letzte Stück zu Fuß über Treppenwege hinauf zur Burg. Nach der Besichtigung der imposanten Burganlage und der charakteristischen 8-eckigen Kirche kehren wir in den kleinen Ort zurück. Im Rifugio della Rocca nehmen wir noch eine Erfrischung. Dann geht’s in flotter Fahrt weiter nach Santo Stefano di Sessanio. Nach einer kurzen Besichtigung des malerischen Ortes fahren wir weiter zum Ristoro vom Camping Gran Sasso, wo schon Davide mit herrlicher Pasta auf uns wartet.

Nach einer herzlichen Verabschiedung mit Abschiedsfoto machen wir uns wieder auf den Weg. Von einem Sattel oberhalb von Santo Stefano blicken wir  ein letztes mal auf das hübsche Städtchen, bevor wir wieder in den Campo eintauchen. Bald schon gelangen wir auf einen sagenhaften Wiesentrail ins Vallechiuscia. Der Weg, der zunächst noch deutlich sichtbar zweispurig durch Felder und Blumenwiesen führt, wird bald schmal und verliert sich schließlich völlig im hohen Gras. Immer wieder ist Spürsinn gefragt um die Wegspur nicht zu verlieren. Schließlich schieben wir unsere Bikes am Rande einer heideartigen Furche auf eine Anhöhe, wo wir auf einen schmalen, markierten Wanderweg gelangen. Endlich können wir wieder Strecke machen.

Oben beim Fonte Pantani gelangen wir auf einen Fahrweg der bald in eine Teerstraße mündet. In flotter Fahrt passieren wir die Orte Filetto, und Paganica und erreichen am Nachmittag unser am Ortsrand von L’Aquila gelegenes Hotel.

 

4. Etappe: Von L’Aquila zum Lago di Campotosto  

63 km,  1.878 hm

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten L’Aquilas ist die Fontana delle 99 Canelle. Der Brunnen, bei dem lediglich aus 93 Köpfen Wasser sprudelt, wurde bei dem Erdbeben von 2009 schwer beschädigt und ist erst seit kurzem wieder öffentlich zugänglich. Zum Start der Tagesetappe besichtigen wir den Brunnen und durchqueren dann die Stadt auf dem “Corso Federico II“ in Richtung Norden. Immer noch werden viele Häuser von massiven Baugerüsten gestützt und abgesichert. Das Ausmaß der Schäden ist gewaltig. Aber es wurde auch schon wieder einiges instandgesetzt. Wir beeilen uns weiter zu kommen. Am anderen Ende der Stadt pulsiert der morgendliche Berufsverkehr. Wir quetschen uns mit den Rädern durch das chaotische Getümmel und verlassen L’Aquila auf einem kleinen Asphaltsträßchen in Richtung Norden. Über etliche Kehren gewinnen wir rasch an Höhe und lassen die letzten Häuser am Stadtrand hinter uns. Während es wieder deutlich schwüler wird, führt uns das Sträßchen durch Wald und Wiesengebiete hinauf in den kleinen Ort Collebrincioni. Hier beginnt eine ausgewaschene Piste die uns durch das weite Valle Pugliese in die Berge führen soll. Leider müssen wir das Gebiet wegen einer  militärischen Übung weiträumig umfahren. Auf einem verfallener Karrenweg bremsen wir vorsichtig hinunter Richtung Arischia. Zeitweise haben wir das Gefühl, durch ein ausgetrocknetes Bachbett zu fahren. Doch dann wird der Weg besser und wir erreichen die Landstraße, die zum Lago di Campotosto führt. Das Ziel vor Augen, machen wir dennoch den Umweg  über den auf 1.790 m gelegenen Passo Belvedere, einem Übergang zwischen Mt. Lenca und Mt. San Franco. Von hier oben öffnen sich überwältigende Ausblicke ins weite Umland, die Bergwelt des Gran Sasso und zum Lago di Campotosto. Nach einer Abfahrt auf Wiesentrails und einer kurzen Schiebepassage durch blühende Pfingstrosen-Wiesen freuen wir uns schon auf den erdigen Trail, an den ich mich von unserer Erstbefahrung im Sommer 2010 noch erinnern kann. Leider entpuppt er sich, als gerölliges Trailmonster, das unsere volle Konzentration und einen gefühlvollen Umgang mit den Bremsen fordert. Aber jedes Bachbett ist einmal zu Ende und wir können es doch noch ein Stück auf der Waldstraße laufen lassen, bevor wir über ein kleines Teersträßchen ins Valle Vomano fliegen. Auf der Landstraße endet der Sinkflug und die letzten 12 km zum Etappenziel können wir es jetzt ausrollen lassen. Den krönende Abschluß dieser Etappe ist dann eine Einkehr in der Bar Serena, mit prächtigem Ausblick zum See.

6. Etappe: Vom Lago di Campotosto nach Castelluccio

74 km,  1.596 hm

Ein strahlend schöner Tag kündigt sich an. Pünktlich um 8:00 Uhr starten wir nach einfachem italienischen Frühstück - Capuccino e Brioche. Auf einer verkehrsarmen Straße können wir bei herrlicher Aussicht auf den malerischen See, trotz Gegenwind, gut Strecke machen und erreichen bald den verschlafenen Ort Campotosto. Dann geht’s flott weiter auf der Uferstraße mit tollen Ausblicken auf den See und den langen Rücken des mächtigen Mt. Gorzano nach Poggio Cancelli. Zwei Hunde dösen mitten auf der Straße und lassen sich von uns nicht aus der Ruhe bringen. Die Straße windet sich mit leichtem Auf und Ab durch die Campagna Amatriciana. Ab Cornillo Nuovo rollen wir noch 3 km leicht abwärts nach Amatrice. Das Gebirgsstädtchen liegt im oberen Tal des Fiume Tronto, an der Via Salaria am Fuße der Monti della Laga auf 950 m.

Über Jahrhunderte war Amatrice Zentrum der Schafzucht und des Schmuggels. Der frühere Reichtum der Stadt ist heute noch an den zahlreichen historischen Gebäuden sichtbar. Heute ist es in der Stadt wesentlich ruhiger, obwohl auf der zentralen Flaniermeile, dem Corso Umberto I, einiges los ist.

Der Ort liegt an der Via Salaria einer ehemaligen  Salzstraße, die aus dem Norden Italiens über die Region Latium, bis nach Mittelitalien führte. Diese Salzstraße gehört zu den ältesten Handelswegen in Italien und geht auf die Zeit um 400 v. Chr. zurück. In der Zeit der Etrusker hatte Rom das Salzmonopol und sicherte damit den Reichtum der Stadt. Während der Kriege mit den Sabinern war sie unterbrochen. Dies führte zu großen wirtschaftlichen Problemen in Rom.

In der Bar “7 Bello”, neben dem imposanten Campanile gönnen wir uns eine Pause, die Erhard  dazu nützt, sich eine messerscharfe Rasur beim Barbier gegenüber verpassen zu lassen. Danach sausen wir, immer leicht abwärts durch das Tal des Fiume Tronto die ca. 10 km bis Accumoli. Bei der flotten Fahrt ist uns gar nicht aufgefallen, dass es inzwischen wieder ziemlich warm geworden ist. Das letzte Stück hinauf in den Ort heizt uns die Sonne schon kräftig auf den Rücken. Nach dem Ortsende führt die Straße in mäßiger Steigung an der Hangflanke entlang in die südlichen Ausläufer der Monti Sibillini.

In Terracino erkundigen wir uns nach dem besten Weg um über den Mt. Utero zur Forca Canapine zu gelangen. Der empfohlene Weg ist tatsächlich viel besser als jener, den wir vor 3 Jahren durch den Cupelli Graben gewählt haben und über weite Strecken auch gut fahrbar. Die Aussicht von den Höhen des Mt. Utero in die sibillinischen Berge und die kleinen steinernen Dörfer tief unter uns ist beeindruckend. Von oben gelangen wir auf die idyllisch gelegene Malga Cupelli. Ein Stück weiter, Auf der Forca Pantani grast eine Herde Kühe, während Pferde elegant über die Weide galoppieren. Von den Laghi Pantani tönt ein vielstimmiges Konzert von Fröschen und Kröten zu uns herüber. Über den mächtigen  Rücken östlich des Mt. Serra geht’s in flotter Fahrt hinüber zur Forca Canapine. Von der Hangkante blicken wir staunend, wie vom Rand einer überdimensionalen Badewanne, auf das von mächtigen Bergrücken gesäumte Piano Grande. An dessen nördlichen Ende liegt, wie auf einem riesigen Maulwurfshügel, das entzückende Bergdorf Castelluccio. Ein Teil der Gruppe wählt den Weg nach Castelluccio direkt über die sattgrün leuchtende Hochebene, während ein paar unermüdliche den Weg über den westlichen Wannenrand auf sich nehmen und die beeindruckende Landschaft aus der Vogelperspektive erleben. Egal von wo man kommt, die Eindrücke auf die liebliche Landschaft und die gewaltigen Gebirge mit dem mächtigen 2.476 m hohen Mt. Vettore und Castelluccio vor Augen ist immer ein überwältigendes Erlebnis.

In Castelluccio angekommen beziehen wir im einfachen aber freundlichen Albergo Sibilla unsere Zimmer und bald gehts ins gemütiche Lokal des Agriturismo di Senari, wo bereits der Tisch für unser Abendessen gedeckt ist. Bei typischen regionalen Speisen lassen wir diesen erlebnisreichen Tag ausklingen.

 

Castelluccio liegt auf 1.452 m mitten im Parco Nazionale dei Monti Sibillini und ist der höchstgelegene Ort im Apennin, oberhalb des Piano Grande (1.270 m) gelegen. Im Juni verwandelt sich diese ca. 40 km2 große Hochebene in ein Blütenmeer aus Berglinsen, Mohn, und Kornblumen. Auch in den Bergen, die die Hochebene umgeben, blühen dann unzählige Arten von Alpenblumen.

 

7. Etappe: Von Castelluccio nach Montemonaco

27 km,  982 hm

Am Morgen liegt der südliche Teil des Piano Grande unter einer Nebeldecke. Der Himmel über uns zeigt sich wolkenlos und die Bergspitzen auf der Westseite des riesigen Talkessels leuchten hell im Licht der aufgehenden Sonne. Die Wirtin staunt nicht schlecht, als wir ihr bei der Abreise sagen, dass wir über die Forca Viola und das Valle dei Lago Pilato nach Montemonaco wollen.

Die inzwischen höher stehend Sonne hat schon beinahe den ganzen Nebel über dem Piano aufgelöst, es ist aber noch recht frisch. Wir rauschen hinunter auf das Piano und biegen scharf links in einen miserablen, bachbettartigen Fahrweg in Richtung Norden ein. Wir vermeiden das Befahren des „Bachbettes“ und balancieren an den Rändern links und rechts des Weges in ein sanft gewundenes Tal hinauf zur Colle Abieri. Bei einer Hütte mit Almbrunnen endet die Piste.

Von hier führt ein teilweise fahrbarer Wanderweg mit einigen Steilstücken hinauf zur Forca Viola (1.936 m). Die Ausblicke und Panoramen auf die Bergwelt um das Piano Grande und Castelluccio sind einfach grandios. Oben auf der Forca Viola angelangt wechseln wir auf die andere Bergflanke, von wo wir weite Teile der vor uns liegende Strecke überblicken können. Der Weg hinunter ins Valle dei Lago Pilato gestaltet sich schwierig. Die fahrbaren Abschnitte sind nur kurz. Wir möchten keinen Sturz riskieren und schieben deshalb lieber den steinigen Pfad hinunter. Auch der Weg hinaus aus dem Tal ist nur sehr schwer und kaum befahrbar.

Schließlich müssen wir noch durch eine enge Schlucht abwärts, eine ca. 150 m hohe, beinahe senkrechte Geländestufe überwinden. Der Steig ist verwinkelt, eng und wegen des schlechten Zustandes sehr kräfteraubend. 

 

Unten angelangt, freuen wir uns über die gute, talauswärts führende, feine Schotterpiste. Endlich können wie wieder fahren. In Foce kehren wir geschafft in der Taverna della Montagna zu. Der Wirt serviert uns zwei Sorten Pasta, con Funghi delle Monti und al Cinghiale, beide wirklich ausgezeichnet. Danach nehmen wir das letzte Etappenstück auf Asphalt unter die Räder und gelangen bald an unser Etappenziel Montemonaco. Im netten Hotel Monti Azurri beziehen wir unsere bequemen Zimmer.

Anschließend machen wir einen Erkundungsgang durch den hübschen Ort und kehren in der Bar von Massimo Zocchi ein. Massimo erinnert sich noch gut an unseren Besuch vor 3 Jahren und die Begrüßung ist dementsprechend herzlich. Wir verbringen noch einige Zeit in der gemütlichen Bar, dann wird es langsam Zeit für’s Abendessen.

 

7. Etappe: Von Montemonaco zum Lago di Fiastra 

69 km,  2.196 hm

Kurz nach 8:00 Uhr verlassen wir Montemonaco. Unterhalb der Bar Zocchi biegen wir links in Richtung Norden ab. Ohne große Höhendifferenzen kommen wir auf der praktisch verkehrsfreier Teerstraße flott voran. Wir passieren die kleinen Weiler Isola San Bagno und Rubbiano. Hier biegen wir links auf eine Schotterpiste die in ein enges Tal führt. Das Val Tenna, im Süden vom mächtigen Mt. Sibilla (2.173 m) und im Norden vom Mt. Priore mit den Gipfeln Pzo. d. Regina (2.332 und Pzo. Berro (2.259 m) begrenzt, wird immer enger.

Auf einer schmalen Brücke überqueren wir den Fluss und stehen schließlich vor dem Eingang zur Gola dell’ Infernaccio. Die Schlucht ist das erste Stück schroff, eng und ziemlich spektakulär, wird aber bald weiter. Nachdem wir die Bikes ein kurzes Stück geschoben haben, können wir im bewaldeten Talgrund wieder aufsitzen.

Eine gute Schotterpiste führt mit steilen Abschnitten aus dem Talgraben in ein sich immer weiter öffnendes Tal. Immer wieder wechselt unser Weg die Bachseite und wir gelangen auf Almgebiet. In steilen Windungen führt die Piste unterhalb des Pzo. Berro hinauf zum Passo Cattiva auf 1.870 m. Die Ostflanke des Mt. Sibilla-Rückens bricht hier fast senkrecht ab. Wir genießen den Ausblick in die Berge des Parco Nazionale die Monti Sibillini, und fliegen auf tiefem Schotter entlang der Südflanke des Mt. Bove hinunter nach Frontignano (1.340 m), einem Wintersport-Hoteldorf. Noch 10 km geht der Sinkflug weiter, bis wir Ussita erreichen. Hier machen wir eine ausgiebeige Pause um uns für den 2. Teil der heutigen letzten Etappe zu stärken. Immerhin liegen noch ca. 900 hm vor uns.

Die Auffahrt auf den Mt. Bove, das letzte große Hindernis bei unserer Fahrt zum Lago di Fiastra, führt zunächst auf ruhiger Asphaltstraße bis Casali. Hier biegen wir links auf eine Strada Bianca – eine gute Naturstraße – ein. Die Aussicht auf die hinter uns liegende Bergwelt ist einmalig. Man kann unseren Weg beinahe lückenlos bis zum Passo Cattivo zurückverfolgen. Auf der Passhöhe frischt der Wind auf. Wir gratulieren uns zur letzten Passhöhe und sehen zu dass wir weiterkommen. Die Schotterstraße über das Pian di Pao ist in schlechtem Zustand, dennoch kommen wir bei leichtem Gefälle recht flott voran. Nach der Umrundung des Mt. Coglia ist der Blick zum tief unter uns in der Nachmittagssonne glitzernden Lago di Fiastra frei. Das Panorama ist sensationell. Während der weiteren Abfahrt beginnen wir zu begreifen, dass sich dieses einmalige Erlebnis seinem Ende nähert, andererseits keimt ein großartiges Glücksgefühl auf, diese wirklich außergewöhnliche Herausforderung geschafft zu haben. Am See angelangt fallen wir uns überglücklich in die Arme und beglückwünschen uns zu guten Ausgang dieses außergewöhnlichen Abenteuers.

Beim Abendessen im Albergo “Sasso Bianco” können wir dann unter freundschaftlicher Mithilfe der überaus gastfreundlichen Familie unserer Wirtsleute einen unvergesslichen, emotionalen und kulinarischen Abschlußabend erleben.

 

Ein Bericht von Josef

Fotogalerie


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